• Geographieblog

    An dieser Stelle möchte ich mal auf einen interessanten Geographie-Blog aufmerksam machen, den ich soeben gefunden habe:

    http://geographie.wordpress.com

  • Die Spaßgesellschaft als Schönwettergesellschaft

    Die Wahrnehmung des Wetters scheint heutzutage zumindest hierzulande von den Medien bestimmt zu werden. Leider haben die Massenmedien, insbesondere das Fernsehen, die absolute Meinungshoheit darüber, was gutes und was schlechtes Wetter ist. Daß die Beurteilung des Wetters individuell verschieden ist oder von der Branche (z.B. der Landwirtschaft) abhängt, davon wollen die Wetter-Meinungsmacher natürlich nichts wissen. Sie wollen das ganze Volk kollektiv in Euphorie versetzen oder in Depressionen stürzen, je nach dem, wie die Wettervorhersage ausfällt. Schaut oder hört man sich die Wettervorhersagen von heute an, so merkt man, daß wir in einer Spaßgesellschaft leben. Das Wetter scheint wohl heute nur noch für die Freizeitgestaltung wichtig zu sein, wenn man den Medien glaubt. Jede kleine Wolke am Himmel wird schon als Katastrophe betrachtet, Regen ist der Weltuntergang. Ist aber der Himmel blau, explodieren die Wettermoderatoren vor guter Laune. Dabei wird schon mal schnell vergessen, in welcher Klimazone wir eigentlich leben, wenn etwa im Sommer in Deutschland Wetterbedingungen herrschen müssen, wie sie eigentlich im Mittelmeerraum üblich sind, damit die Wettermacher überhaupt von Sommerwetter sprechen. Sogar die öffentlich-rechtlichen Sender beugen sich inzwischen schon der Diktatur des schönen Wetters. Auf Seriosität wird immer weniger Wert gelegt, die Wellness-Welle fordert eben das dazu passende Wohlfühl-Wetter.

    Wenn dann tatsächlich mal vermeintlich ungewöhnliche Wetterbedingungen herrschen, werden sofort Sondersendungen ausgestrahlt. Anscheinend gibt es in unserem Land wohl keine anderen Probleme.

  • Wirklich der trockenste April?

    Es wurde gerade eben gemeldet, daß der gerade abgelaufene Monat der trockenste April in Hessen war, seit es Messungen gibt. Das verlautbarte zumindest der DWD. Außerdem war der letzte April auch einer der wärmsten und sonnigsten, nicht nur in Hessen. In den Medien hört man in letzter Zeit immer häufiger "Der wärmste/sonnigste/trockenste April seit Beginn der amtlichen Aufzeichnungen". Aber dabei ist nicht immer wirklich der Beginn der amtlichen Aufzeichnungen gemeint, meistens ist damit das Jahr 1901 gemeint. An vielen Stationen begannen aber schon vorher die amtlichen Aufzeichungen, von inoffiziellen Wetterbeobachtungen mal ganz abgesehen. Diese sind aber nicht immer mit den späteren Messungen vergleichbar, weil man regional unterschiedliche Meßkriterien zu Grunde legte.

    Aber zumindest im Jahr 1893 hat es ebenfalls einen extrem trockenen April gegeben, in diesem Monat haben viele mittelhessische Niederschlagsstationen in der Umgebung von Marburg und Gießen überhaupt keinen Niederschlag registriert, sofern es sich dabei nicht um einen Fehler handelt. Auch dieses Jahr war der April in Gießen komplett niederschlagsfrei. Auf dem Feldberg im Taunus gab es kürzlich sogar einen Waldbrand, betroffen war eine Fläche von der Größe von vier Fubfallfeldern.

  • Geography is what geographers do

    Diesen Spruch hat garantiert jeder Geographie-Student schon mal gehört. In der Tat ist in der Öffentlichkeit wohl kaum bekannt, womit sich jemand beschäftigt, der von Beruf Geograph ist. Daher verwundet es auch nicht, daß Geographen in den Medien selten als Experten gefragt sind. Nehmen wir nur mal das Beispiel Klimawandel, was ja seit vielen Jahren und vor allem auch in letzter Zeit ein heiß diskutiertes Thema ist. Was würde sich für die Medien besser anbieten, als einen Geographen mit Arbeitsschwerpunkt Klimatologie als Experten zu befragen. Aber sie tun es nicht, stattdessen werden immer Meteorologen als Experten herangezogen.
    Oder erinnern wir uns zurück an den Hurricane Katrina. Eine Zeitung oder Zeitschrift, deren Namen ich vergessen habe, interviewte einen Experten über Fragen der fehlgeschlagenen Planung der Stadt New Orleans. Im Prinzip auch ein Thema, wo sich ein Geograph als Experte anbieten würde, aber was macht diese Zeitschrift? Sie interviewt ausgerechnet einen Geologen (!) zu diesem Thema. In der Medienbranche scheint man nicht wirklich zu wissen, was Geographen machen.

  • Campus mit Marktplatz

    Bekanntermaßen war das Mittelalter in Mitteleuropa die Zeit, in der Städte gegründet wurden. Aber auch in der Neuzeit wurden noch Städte angelegt, z.B. Residenzstädte. Aber selbst im 20. Jahrhundert wurden vereinzelt noch neue Städte gegründet, die eine ganz bestimmte Funktion erfüllen sollen. In Belgien findet man ein solches Beispiel, nämlich die Universitätsstadt Louvain-la-Neuve in der Wallonie, unweit von der flämisch-wallonischen Grenze. Der Name verrät schon, was hier Sache ist, es handelt sich nämlich um das "neue Leuven".

    Die Ursache für die Entstehung dieser Stadt ist in dem Streit zwischen Flandern und der Wallonie, insbesondere dem Sprachenstreit zu sehen. Noch in der Nachkriegszeit war die französische Sprache in Belgien absolut dominierend und die niederländische Sprache wurde als zweitklassig betrachtet. Schließlich forderte man in Flandern eine Anerkennung der niederländischen Sprache als gleichberechtigt. Das führte zu einem Streit, der auch die Universitäten betraf. Im heute offiziell zweisprachigen Brüssel wurde die Universität geteilt, heute gibt es eine niederländischsprchige und eine französischsprachige Brüsseler Universität. Aber im niederländischsprachigen Leuven ging man noch einen Schritt weiter. Man verbannte die französischsprachigen Kollegen einfach von der Universität.

    Wie reagierte man darauf? Man gründete einfach eine neue französischsprachige Universität in der Wallonie, ca. 30 km von Brüssel entfernt. D.h. man gründete nicht nur eine Universität, sondern auch noch eine kleine Stadt drumherum. Natürlich gehört auch ein Marktplatz und eine Kirche dazu. In der Mitte der Stadt befinden sich die Universitätsgebäude und darum gruppieren sich die Wohngebiete. Das besondere Merkmal dieser künstlichen Kleinstadt ist, daß man das Zentrum komplett autofrei gehalten hat. Unterhalb der Stadt befinden sich große Tiefgaragen, aber auch der Bahnhof ist unterirdisch. Man hat aber auch Wert darauf gelegt, daß die 1971 gegründete Stadt nicht zu futuristisch wirkt. Die Architektur der Stadt ist vor allem durch Backstein geprägt. Darüber hinaus findet man viele Grünflächen in der Stadt.

    Dadurch, daß die Stadt im Prinzip eine Universität mit Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten darstellt, ist auch die Struktur der Bewohner dementsprechend. Das führt dazu, daß es in der vorlesungsfreien Zeit dort sehr ruhig ist, während der Vorlesungszeit herrscht aber reger Betrieb. Die Stadt hat nur etwa 4500 ständige Einwohner, dafür hat die Universität aber ca. 18000 Studenten.

  • Nur keine Panik!

    Die Klimakatastrophe kommt! Der Meeresspiegel wird dramatisch ansteigen, ein großer Teil der Niederlande wird unbewohnbar. Sturmfluten und Tornados werden zum Alltag. Das Waldsterben schreitet voran, wo jetzt noch ausgedehnte Waldlandschaften zu finden sind, sind in der Zukunft nur noch öde Steppen. Ein bei den kanarischen Inseln ausgelöster Tsunami wird nordamerikanische Ostküstenmetropolen wie New York völlig zerstören. Der Supervulkan unterhalb des Yellowstone Parks bricht aus und die gesamte Menschheit wird ausgerottet.

    Halt mein Freund, nur keine Panik! Nun setzen wir uns erstmal hin, entspannen uns und atmen ganz ruhig. Solche Szenarien wie eben geschildert werden von den Medien gerne aufgegriffen. Katastrophen verkaufen sich im Mediengeschäft immer gut und so ist es nicht verwunderlich, wenn gerne mal etwas übertrieben wird, wenn es zum vermeintliche zukünftige Naturkatastrophen geht. Aber man sollte doch mit solchen Themen etwas vorsichtiger und sachlicher umgehen. Viele Szenarien sind wissenschaftlich nicht bewiesen und stellen oftmals nur eins von vielen möglichen Szenarien dar. Wie sich die Natur in Zukunft verhalten wird, läßt sich auch mit den besten Computermodellen nicht wirklich vorhersagen. Darum können solche Szenarien bestenfalls als Annäherung betrachtet werden.

    Aber andererseits sollte man auch nicht zu gelassen und zu nachlässig sein. Auch wenn z.B. noch nicht nachgewisen werden kann, wie sich der anthropogene Treibhauseffekt auswirkt, heißt das noch lange nicht, das man so weiter machen soll, wie bisher. Gerade weil man nicht abschätzen kann, wie sich menschliche Eingriffe in die Natur auswirken, sollte man diese so gering wie möglich halten. Auf der einen Seite wäre es möglich, daß bestimmte Schreckensszenarien nicht eintreffen, andererseits könnte es aber vielleicht sogar schlimmer kommen als erwartet. Aber erinnern wir uns noch an die Szenarien über das Waldsterben der vergangenen Jahrzehnte? Gerade in Deutschland scheinen solche Schreckensszenarien eine große Rolle zu spielen, weshalb der Begriff "Le Waldsterben" in den französischen Sprachgebrauch EInzug hielt. Manchmal arbeiten die Medien auch mit an den Haaren herbeigezogenen Überspitzungen, wie etwa einem überfluteten Kölner Dom auf dem Titelblatt eines deutschen Nachrichtenmagazins. Selbst der Wiener Stephansdom scheint nicht vor den Fluten sicher zu sein, glaubt man einem Titelblatt eines österreichischen Nachrichtenmagazins.

    Beim Umgang mit potentiellen Naturkatastrophen den richtigen Mittelweg zu finden, ist nicht einfach. Auf der einen Seite wird gerne Panik geschürt, aber wie sieht es aus, wenn dann wirklich mal eine Katastrophe hereinbricht, mit der man nicht gerechnet hat? Insbesondere die Tsunami-Katastrophe im Jahr 2005 hat uns deutlich gemacht, daß noch viel getan werden muß, um im Falle einer derartigen Katastrophe richtig reagieren zu können. Das gilt vor allem für Katastrophen, die ohne Einwirkung des Menschen passieren, wie eben Tsunami.

    Wir sollten uns einerseits nicht zu weit zurücklehnen und in falscher Sicherheit wiegen, aber wir sollten auf der anderen Seite auch nicht so tun, als würde morgen die Welt untergehen und in Panik verfallen.

  • Als die Fluten das Land verschlangen

    Seit je her wurde die Nordseeküste von verheerenden Sturmfluten heimgesucht. Auch im vergangenen 20. Jahrhundert gab es Flutkatastrophen, die gewaltige Schäden anrichteten und zahlreiche Menschenleben forderten. Man denke dabei an die Hamburger Sturmflut von 1962 oder die Flutkatastrophe von 1953 in den Niederlanden. Auch in den Jahrhunderten davor wurde die Nordseeküste nicht verschont. Man muß sich vor Augen halten, daß die heutige Küstenlinie und die Insellandschaft entlang der deutschen Nordseeküste entscheidend von gewaltigen Sturmfluten geformt wurden. Heute kann man sich schwer vorstellen, daß die heutigen Nordfriesischen Inseln wie Sylt, Föhr usw. vor langer Zeit einmal Teil des Festlands waren.

    Die Nordseeküste ist ein Raum, in dem der Kampf des Menschen gegen die Naturgewalten immer eine große Rolle gespielt hatte. Oftmals schien der Mensch die Naturgewalten zähmen zu können, doch es wurde auch oft genug die Ohmacht des Menschen demonstriert, wenn die Natur zurückschlug. Es war stets ein Kampf um Land, der Mensch rang dem Meer das Land ab, das Meer holte es sich zurück.

    Werfen wir einen Blick zurück auf die Zeit um Christi Geburt. Damals hatte der Meeresspiegel ungefähr das heutige Niveau und entlang der Nordseeküste entstanden Marschsiedlungen. Die Ostfriesischen Inseln hatten bereits eine ähnliche Form wie heute, die Festlandküste sah allerdings noch etwas anders aus, so existierte der Jadebusen damals noch nicht. An der nordfriesischen Küste sah es jedoch völlig anders aus, dort lag die Küstenlinie vermutlich noch außerhalb der heutigen Nordfriesischen Inseln. Jedoch schon im folgenden Jahrhundert stieg der Meeresspiegel allmählich und es kam häufiger zu Sturmfluten (allerdings in Nordfriesland nicht nachweisbar). Somit mußten die Siedler die Marschen verlassen und schufen künstliche Erhöungen, um dort vor Sturmfluten gesichert siedeln zu können, diese Siedlungsplätze nennt man Wurten. Die Küstenline Ostfrieslands veränderte sich im Laufe der Zeit, einerseits entstanden neue Buchten, andererseits kam es zu Verlandungen. Der Mensch hatte an diesen Veränderungen noch keinen Anteil. Ab dem 8. Jahrhundert war die Aktivität der Nordsee wieder geringer, die Marschen wurden neu besiedelt.

    Ab dem hohen Mittelalter kam es aber wieder häufiger zu Sturmfluten. Die Siedler reagierten darauf, indem sie ihre Wurten noch weiter erhöhten oder die Siedlungen aufgaben. Da aber auch diese Maßnahmen nicht mehr ausreichten, ging man ab dem 11. Jahrhundert dazu über, das Land durch Deiche zu schützen. Anfangs waren es nur Sommerdeiche, deren Schutzfunktion begrenzt war. Ab dem 13. Jahrhundert war man dann soweit, geschlossene Ringdeiche zu bauen, die ganzjährig Schutz boten. Im Schutz der Deiche wurde nun die Landnutzung umso intensiver betrieben. Salztorfabbau und Entwässerung führten zu einem allmählichen Absinken des Landes. Das bedeutete natürlich eine große Gefahr, falls die Deiche einer schweren Sturmflut mal nicht standhalten sollten.

    Seit dem Spätmittelalter kam es zu schweren Sturmfluten, denen die Deiche nicht gewachsen waren und dies führte zu enormen Landverlusten. So entstand durch die sogenannte Marcellusflut von 1362 der Dollart und der Jadebusen. Durch diese auch als „Große Mandränke“ bezeichnete Flut wurden auch große Teile der nordfriesischen Küste zerstört, dies war die schwerste Sturmflut aller Zeiten an der Nordsee. Jedoch die Deichbautechnik verbesserte sich im Laufe der Zeit und es konnte viel verlorenes Land wieder zurückgewonnen werden, insbesondere im Bereich des Jadebusens. Eine weitere schwere Sturmflut im Jahr 1634 (die 2. Mandränke) führte jedoch erneut zu enormen Landverlusten, insbesondere an der nordfriesischen Küste. Ehemals landwirtschaftlich genutztes Marschland wurde in Watt verwandelt, die Küste Nordfrieslands hatte in etwa die heutige Form erreicht. Dabei ging auch die legendäre Stadt Rungholt unter, die sich ursprünglich in dem Gebiet zwischen den heutigen Inseln Pellworm und Nordstrand befand.

    Trotz dieser verheerenden Katastrophen wurden die Maßnahmen zum Küstenschutz stets verbessert, u.a. wurden die Deiche ständig erhöht. Im Laufe der Zeit stieg der Meeresspiegel aber allmählich an, was zu stetig höheren Deichen führte, während gleichzeitig das Land dahinter durch Landnutzung und Entwässerung weiterhin absank. Das führte dazu, daß das Land hinter dem Deich unterhalb des Meeresspiegels lag. Es entstanden sogenannte Poldertreppen, d.h. ein treppenartiges Abfallen des Landes vom Deich an der Küste in Richtung Landesinneres.

    Der Schutz der Küsten spielt auch in der heutigen Zeit noch eine wichtige Rolle, was vor allem die schweren Sturmfluten des 20. Jahrhunderts demonstrieren. Gerade in der Zukunft könnte der Küstenschutz für die Nordsee von entscheidender Bedeutung werden, vermutet man doch, daß durch die prognostizierte Klimaentwicklung der Meeresspiegel weiterhin steigt und die Sturmflutgefahr ansteigt. Inseln wie z.B. Sylt wären besonders gefährdet, insbesondere aber die Halligen, deren Existenz dabei auf dem Spiel stehen würde. Auch auf dem Festland könnten Großstädte wie Hamburg oder Bremen durch Sturmfluten stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Also wird man weiterhin alles daransetzen müssen, sich vor solchen potentiellen Naturkatastrophen schützen zu müssen. Die Gefahr ist im Laufe der Jahrhunderte geringer geworden, der Nordseeraum ist als Siedlunsgraum sicherer geworden. Völlige Sicherheit kann es jedoch nicht geben. Der Kampf gegen die Naturgewalten im Nordseeraum kann nicht gewonnen werden, das wird man einsehen müssen.

  • So lügt man mit Karten

    Eines der bekanntesten und verbreitetsten Mittel, um sich über geographische Begebenheiten zu informieren, sind Karten. Sie sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, fast jeder benutzt sie für welche Zwecke auch immer. Aber zeigen sie auch immer die Wahrheit? Oder sind vor allem thematische Karten wirklich immer objektiv? Mit Karten kann man nämlich auch prima manipulieren und beeinflußen.

    Eine Gemeinsamkeit haben alle Karten, sie zeigen nämlich eben nicht ein originalgetreues Abbild der Erde oder eines Ausschnittes davon. Die Erde ist bekanntermaßen eine Kugel (na ja, eigentlich ist sie ein Geoid, da an den Polen etwas abgeflacht), aber Karten sind flach. Will man die Oberfläche einer Kugel oder einen Ausschnitt davon auf einem flachen Blatt Papier darstellen, so ist dies leider nicht ohne Verzerrungen möglich. Daher gibt es zahlreiche Kartenprojektionen mit ebenso zahlreichen Intentionen. So gibt es Projektionen, welche die Längengrade originalgetreu wiedergeben wollen, andere wiederum die Breitengrade, die Flächen oder die Winkel. Aber ohne Verzerrungen geht es einfach nicht. Gut, auf Stadtplänen oder großmaßstäbigen topographischen Karten fällt das praktisch nicht auf, aber auf Karten, die ganze Staaten, Kontinente oder die ganze Welt darstellen, fallen die Verzerrungen manchmal schon deutlich ins Auge.

    Ein Paradebeispiel für verzerrte Darstellungen sind Weltkarten, die in der sogenannten Mercatorprojektion hergestellt wurden. Diese Karten haben die Eigenschaft, daß vor allem die Polargebiete extrem groß erscheinen. Grönland ist darauf größer als ganz Europa, Rußland erscheint fast doppelt so groß wie ganz Afrika und arktische Inseln in Nord-Kanada erscheinen ebenfalls unglaublich riesig.

    Besonders heikel ist es aber mit thematischen Karten. Diese sind stark von der subjektiven Einstellung des Kartenerstellers abhängig, auch wenn sich bestimmte Regeln in der thematischen Kartographie eingebürgert haben. Würde man mehrere Menschen damit beauftragen, mit den gleichen Daten eine thematische Karte zu erstellen, so käme wahrscheinlich bei jedem eine andere Karte heraus. Die gewählten Farben und Symbole in einer thematischen Karte sollen ja eine bestimmte Aussage an den Betrachter vermitteln. Das bedeutet natürlich auch, daß man mit thematischen Karten prima Propagangda betreiben kann, sei es durch die Verwendung bestimmter Signalfarben oder was auch immer. Das Motto, daß man nur der Statistik trauen soll, die man selber gefälscht hat, gilt daher auch gerade für die thematische Kartographie. Natürlich spielt auch die Wahl des Maßstabs und der Projektion dabei eine Rolle. Dabei ist bei thematischen Karten immer ein gewisses Mißtrauen angebracht, aber im Prinzip gilt das für alle Karten, nur als Laie nimmt man dies oft nicht wahr.

  • Halb Malta eine einzige Großstadt?

    Was hat die Mittelmeerinsel Malta mit dem Ruhrgebiet gemeinsam? Auf dem ersten Blick erscheint dieser Vergleich merkwürdig, ist doch das Ruhrgebiet eine Ansammlung von Großstädten, während die Städte auf Malta nach unseren Maßstäben als Kleinstädte gelten müssen. Aber dennoch haben die Städte im Ruhrgebiet und im östlichen Teil Maltas eine besondere Gemeinsamkeit, sie sind praktisch zusammengewachsen. Das Ruhrgebiet ist zwar administrativ gesehen eine Ansammlung von eigenständigen Städten, aber faktisch ist es ein einziges zusammenhängendes Stadtgebiet. Ähnlich ist es auf Malta, genauer gesagt rund um die Hauptstadt Valletta und dem dazugehörigen Hafengebiet. Ist man dort unterwegs, so kann man oftmals nicht feststellen, wo eine Stadt aufhört und die andere beginnt, man befindet sich in einem annähernd durchgehend bebautem Gebiet. Der größte Teil der Inselbevölkerung lebt in dieser Stadtansammlung. Auf der einen Seite haben diese Städte ihren kleinstädtischen Charakter mit ihren meist engen Straßen und Gassen, auf der anderen Seite aber auch typische Probleme einer Großstadt, was z.B. den Straßenverkehr betrifft. Trotz der geringen Ausmaße der Insel ist man immer verhältnismäßig lange unterwegs, da der Verkehr vor allem in dieser Stadtansammlung nur langsam vorankommt. Dabei merkt man recht schnell, daß diese kleinen Städte durch ihre enge Bauweise mit ihren schmalen Straßen den motorisierten Massenverkehr einfach kaum bewältigen können, gerade rund um die Hauptstadt sind da Staus vorprogrammiert. Die Stadtansammlung im Ostteil der Insel erscheint insgesamt als eine einzige, viel zu groß geratene Kleinstadt mit der Einwohnerzahl einer Großstadt.

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen von Privatpersonen, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.